Die Suche nach Abenteuer

Der Wind, das höllische Rind

Da meine Eltern dieses Wochenende mit ihrem Wohnmobil auf dem Campingplatz in Beverungen waren hatte ich beschlossen sie dort mal zu besuchen. Samstag Morgen bin ich mit dem Zug nach Porta Westfalica gefahren um von dort aus die Weser rund 150km stromaufwärts zu fahren. Das hat auch trotz gelegentlicher kleiner Regenschauer wunderbar geklappt. Zum ersten Mal habe ich meinen neuen Gepäckträger am Rennrad ausgenutzt und hatte geschätzte zehn Kilo Gepäck dabei (,,Zivilkleidung“, Werkzeug, Schloss, Essen, 3l Wasser, Schlafsack, Isomatte, Biwaksack). Nach dem Start musste ich mich kurz an das veränderte Fahrverhalten gewöhnen. Durch den recht weichen Vorbau musste ich sauber pedalieren ohne am Lenker zu ziehen, da sonst das ganze Rad in Schwingungen kam, der recht hohe und weiter hinten liegende Schwerpunkt führte dazu, dass das Rad in Kurven die Tendenz hatte sich aufzurichten und über das Vorderrad zu schieben. Da die Wege meist nass waren musste ich also aufpassen, dass mir in Kurven das Vorderrad nicht wegrutscht.

Irgendwie war ich dieses Wochenende nicht ganz fit. Bereits nach 40km brauchte ich die erste große Pause, die ich eigentlich erst nach 50km machen wollte. Aber da Timing war perfekt, ich saß wenige Minuten unter einem großen Baum, als es anfing richtig zu regnen – ich konnte in Ruhe und trocken mein Müsli mampfen. Letzteres war übrigens ein Experiment: Zuhause hatte ich in wiederverschließbaren Gefrierbeuteln bereits Müsli und Trockenmilchpulver portioniert und vermischt. Unterwegs habe ich dann pro Beutel lediglich noch 250ml Wasser hinzugegeben und fertig war mein Müsli. Hat überraschend gut geschmeckt, ich konnte kaum einen Unterschied zu normaler Milch feststellen. Die weiteren Pausen habe ich auch alle 40km gemacht, und es hat jedes Mal genau während meiner Pausen geregnet (zwischendurch auch mal kurz, aber halb so wild).

Bis auf wenige km war die Strecke komplett geteert, man musste recht selten bremsen (vor allem auf den letzten 50km) und sah Autos fast ausschließlich aus größerer Entfernung. Ideale Bedingungen also um etwas Strecke zu machen. Nur ein paar kurze Stecken waren aufgeweichte Sandpiste, dort habe ich aber dafür mein Rad umso gründlicher eingesaut.

Am Sonntag wollte ich eigentlich von Beverungen aus komplett zurück nach Dortmund fahren (190km) und falls ich das nicht schaffe mich entweder in einen Zug setzen oder irgendwo biwakieren. Da ich aber wie erwartet erst ziemlich spät startklar war habe ich mich bis Salzkotten mitnehmen lassen und bin dort dann um rund 14 Uhr gestartet, von dort aus waren es nur noch 100km bis Dortmund. Das Wetter war deutlich besser, nur leicht bewölkt und trocken. Allerdings hatte ich dafür noch deutlich mehr Gegenwind als am Vortag. Auf den ersten 60km bin ich oft genug auf der Geraden mit unter 20km/h dahingekrochen, und das, obwohl ich dauernd Unterlenker fuhr. Die Radfahrer in der Gegenrichtung hatten dafür ein Höllentempo drauf. Wegen einer Umleitung hatte ich auch mal kurz Rückenwind und siehe da: Plötzlich fuhr ich mit wenig Anstrengung knapp 40 km/h in der Ebene. Egal, gehört halt dazu.

Etwa 30km vor Dortmund habe ich bei Hemmerde meine letzte Pause eingelegt. Hier sprach mich bereits zum zweiten Mal an diesem Wochenende ein älterer Herr an und freute sich, dass ich mit einem Stahlrahmen unterwegs bin. Außerdem mampfte ich nichtsahnend meine Salami, als plötzlich eine Kommilitonin mit dem Fahrrad vor mir stand, die mich dann noch bis zum Ring in Unna begleitet hat. Die restliche Strecke bis Dortmund fuhr sich dann fast von allein, ich kannte die Strecke, der Wind war weg und wegen des anstehenden Fußballspieles waren die Straßen gespenstisch leer. Abends um kurz vor 21 Uhr war ich dann wieder zuhause.

Fazit: Größere Mehrtages-Touren mit dem Rennrad machen echt Spaß. Man ist halt minimalistischer unterwegs als mit dem Reiserad, dafür macht man eben auch mehr Strecke. Bei Gelegenheit werde ich sicher noch ein paar ähnliche Aktionen machen. Allerdings lasse ich dann mein Campingzeug zuhause wenn ich es nicht unbedingt brauche, spart Gewicht.
Ein paar Dinge will ich aber vor der nächsten Tour noch ändern: Eine Lenkertasche muss mit. Dort kommt dann das ganze Essen und die Wertsachen rein. So komme ich schneller an diese Dinge ran und muss nicht erst lange in den Packtaschen wühlen bzw. gar nicht erst stehen bleiben. An zwei Imbissbuden war ich nämlich zu faul anzuhalten weil ich einfach keine Lust hatte meinen Geldbeutel aus den Tiefen meiner Packtaschen zu kramen. Außerdem habe ich dann mehr Platz in den Packtaschen. Dadurch kann ich dann auch die Isomatte noch in einer Packtasche unterbringen, so dass nur noch der Schlafsack auf dem Gepäckträger verbleibt. Dieser wird dann längs befestigt, so dass ich an die seitlichen Taschen komme ohne erst Gepäck herunternehmen zu müssen. Außerdem liegt dann der Schwerpunkt weiter vorne.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s