Die Suche nach Abenteuer

Fahrrad

Heimweg

Rund 160km habe ich in den letzten vier Tagen mit meinem Dahon Jetstream P8 zurückgelegt, deutlich mehr als ursprünglich geplant. Den Rückweg von Travemünde nach Neustadt (rund 24km) bin ich immer komplett gefahren, da die Zugtaktung so ungünstig ist, dass ich mit dem Fahrrad z.T. 45min eher zu Hause bin, als wenn ich Zug fahre. Gestern und heute bin ich wegen des Bahnstreiks den Hinweg auch komplett gefahren. Für die 24km Strecke brauche ich etwa 1:15h inkl. der Fährüberfahrt, +/- 5min je nach Windrichtung. Ich bin echt erstaunt, wie schnell das Rad ist!

Die Marathon-Racer Bereifung ist leicht und dank dem hohen Luftdruck auf Asphalt unglaublich schnell. In der Ebene fährt man bei Gegenwind im fünften, bei Rückenwind im sechsten von insgesamt acht Gängen, bei beiden ist der Kettenschräglauf minimal. Den größten Gang kann man bis 40 km/h so eben noch mittreten, die Wahl der Übersetzung hat Dahon also wirklich gut gelöst. Die Vollfederung sorgt für eine überraschend ruhige Fahrt, Rahmen und Lenksäule fühlen sich bocksteif an, kein Vergleich zu meinem letzten Faltrad. Ich bin wirklich sehr positiv überrascht von dem Rad. Das einzige, was sich vielleicht noch verbessern ließe, wäre ein Austausch des Schaltwerkes gegen ein 10-Gang Shimano Zee Schaltwerk mit kurzem Käfig. Durch den kurzen Käfig wäre die Kette stärker gespannt und weiter vom Boden entfernt und durch die Shadow-Bauweise würde es nicht so herausstehen, so habe ich nämlich Angst, beim Abstellen oder Transport im gefalteten Zustand irgendwann mal das Schaltauge krumm zu biegen. Die passenden Daumenschalter wären mMn auch deutlich angenehmer als die aktuell verbauten Drehschalter. Vorerst bleibt aber erstmal alles, wie es ist.

Der einzige Nachteil an dem Rad ist, dass man es ungerne vorm Supermarkt parkt. Dafür hat es zuviel Diebstahl-Potential. Aber sonst kann man es ja fast überall mit rein nehmen, das Falten dauert keine 10 Sekunden.

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Wie der Wind

Ab nächste Woche muss ich wieder für einen Monat nach Travemünde. Um mir die dortigen Übernachtungen zu (er)sparen werde ich von Neustadt aus pendeln. Also mit dem Rad zum Bahnhof, mit dem Zug nach Timmendorferstrand und dann 11km mit dem Rad bis zur Priwallfähre. Leider ist die Fahrradmitnahme in Schleswig-Holstein weder in Zügen, noch auf Fähren kostenlos, daher habe ich mir kurzerhand ein Faltrad zugelegt. Durch Zufall bin ich an ein nahezu neuwertiges Dahon Jetstream P8, Baujahr 2012, geraten. Ich habe es erstmal komplett zerlegt, dabei allerhand lose Schrauben gefunden, und dann wieder zusammengesetzt. Ursprünglich hatte ich überlegt, es auf Schwalbe Big Apple Bereifung und Singlespeed oder Duomatic umzubauen. Nach einer ersten Proberunde heute sehe ich aber davon ab. Das Teil geht mit den strammen Schwalbe Marathon Racer Reifen ziemlich ab, die Vollfederung sorgt dabei für ein ruhiges Fahrverhalten, das Velo ist also nicht so ein Schlaglochsuchgerät wie mein letztes Faltrad. Rahmen und Vorbau sind schön steif, einzig die Lenkung ist durch die kleinen Räder prinzipbedingt etwas nervös. Da ich morgens ziemlich früh unterwegs sein muss habe ich die Reflektoren noch montiert gelassen. Ohne ists zwar schöner, aber mit ist sicherer 😉

Morgen werde ich noch eine etwas größere Proberunde drehen um sicher zu gehen, dass ich mit der Zeit für die Pendelstrecke hinkomme. Ab Montag ist das Rad dann im Alltagseinsatz, ich bin gespannt, wie es sich schlägt.


Reinhardswald

Die Wettervorhersage für heute war bombig, also rauf aufs Bike und los, unterwegs ein paar schöne Bilder machen. So war der Plan. Morgens hingen allerdings dann dicke Wolken über Kassel, trotzdem  bin ich einfach mal losgefahren. Durchs Fuldatal kam ich recht zügig voran, ich war größtenteils aber auch auf Waldautobahnen unterwegs. Bei Wilhelmshausen erreichte ich die Grenze des Reinhardswaldes, dort ging erst mal mehrere hundert Höhenmeter bergauf, näher an die Wolken, in die Wolken. Doch irgendwann riss die Wolkendecke auf, erst immer wieder kurz, dann waren die Wolken von einem Moment auf den nächsten verschwunden. Nachdem ich auf dem Staufenberg (höchster Berg im Reinhardswald) war habe ich mir auf einer sonnigen Bank an der Staufenberghütte eine ausführliche Pause gegönnt. An der Sababurg bzw. beim Tierpark Sababurg gab es einen kleinen Kulturschock: Nach vielen, teils sehr einsamen Kilometern im Wald plötzlich Autos und Menschen in Massen, letztere meist im feinen Sonntagszwirn, so etwas besitze ich nicht einmal, was meine Einstellung dazu ganz gut verdeutlicht. Ich habe also gesehen, dass ich weg komme. Kaum war man ein paar Hundert Meter im Wald verschwunden, da hatte man ihn schon wieder so gut wie für sich alleine. Gelobt sei der Herdentrieb. Kurz vor Hofgeismar-Hümme, von wo aus ich mit der Regiotram zurück nach Kassel fahren wollte, merkte ich, dass ich die nächste Tram wohl knapp verpassen würde. Passend dazu kam ich an einer Bank mit viel Aussicht und noch mehr Sonne vorbei. Es machte mir also nichts aus, einen Zug später zu fahren.

Fazit: Es gibt scheinbar kaum Trails im Reinhardswald. Vielleicht habe ich sie aber auch einfach nur übersehen. Verschlammt war ich trotzdem. Bilder habe ich kaum gemacht, irgendwie war es mir meist zu umständlich den Rucksack abzunehmen und die Kamera rauszuwühlen. Irgendwie hat man beim biken auch nicht so recht die Zeit nach Motiven zu suchen, selbst wenn man langsam fährt ist man noch zu schnell.

Den GPS-Track gibt es hier.


Am Ende gibt es Wurst!

Unsere heutige Etappe war verhältnismäßig kurz. Unser Tagesziel war der Bahnhof in Gerstungen, gut 18km Luftlinie von unserer Position entfernt. Aber Luftlinie ist ja eine rein theoretische Sache, in der Praxis wurden es dann ein paar Kilometer mehr.

Die Strecke war heute größtenteils recht fahrbar und nicht so heftig wie in den letzten Tagen. Allerdings waren einige der Kolonnenweg-Abschnitte recht kraftraubend, da die Platten eher eine Art überdimensionierter Rasengittersteine waren, mit Löchern die in einer Linie liegen und exakt die Breite unserer Reifen hatten. Aber irgendwie hat es geklappt. Um zahlreiche Erfahrungen und Insektenstiche reicher erreichten wir dann Gerstungen.

Bis zu unserem Zug hatten wir noch 1,5 Stunden Zeit, die verbrachten wir erfolgreich damit eine Currywurst mit Pommes aufzutreiben. Diese war so gut und der Gasthof so gemütlich, dass wir einfach einen Zug später gefahren sind.

Fazit zur Tour: Saumäßig anstrengend aber unglaublich gut. Ich denke, ich werde in Zukunft oft bikepackenderweise unterwegs sein.

Schadensbilanz: Mein als Satteltasche zweckentfremdeter Packsack ist ziemlich angescheuert, der Wassersack den ich zunächst benutzt habe hat nun zwei undichte Stellen, es gab einen Platten und eine der Packtaschen meines Mitfahrers hat eine Schraube verloren.

40km, 600hm


Auf der Grenze

Die gestrige Etappe war schon eine Grenzerfahrung, heute fahren wir auf der Grenze. Wenig entfernt von unserem Schlafplatz verläuft die Grenze zur ehemaligen DDR. Aus den Tiefen des Internets hatte ich den Verlauf der Grenzsteintrophy (allerdings schon eine ältere Version) ausgegraben, an diesem orientieren wir uns grob auf unserem Weg Richtung Süden.

Wir freuten uns zunächst über gut fahrbaren Kolonnenweg und Waldautobahnen, nach den Strapazen der gestrigen Etappe eine Wohltat. Das wird ja ein leichtes. Dachten wir jedenfalls. Leider ist der ehemalige Kolonnenweg nicht überall in so gutem Zustand und die Grenze hat die blöde Angewohnheit jeden Berg mitzunehmen und das zielsicher an den steilsten Stellen. Wir wunderten uns oft, wie diese Straßen jemals von Fahrzeugen erklommen werden konnten und fragten uns, ob eine Treppe nicht sinnvoller gewesen wäre. Auch hier wurde also zwangsweise wieder streckenweise geschoben.

Auf dem Weg zum Heldrastein hatten wir die Idee uns eine unnötige Abfahrt zu sparen und den direkten Weg zu nehmen. Ich habe dann irgendwann aufgehört die Stufen bis hinauf auf den Berg zu zählen. Und wieder diese unglaublichen Temperaturen. Heute wurde aber für Abwechselung gesorgt: Dutzende Bremsen ließen uns erahnen, wie die Süddeutschen das Schuhplatteln erfunden haben könnten.

Eigentlich wollten wir heute wieder 70km gefahren sein. Wir waren allerdings derart geschafft, dass wir die Tagesetappe nach gut 40km beendet haben. Es bot sich auch an, denn wir kamen grad wieder an einem perfekten Schlafplatz mit viel Ausblick vorbei.

43km, 100hm